Nachkriegszeit in München

Der Roman „Glückskinder“ von Teresa Simon ist mein Buch der Woche, das ich Euch vorstellen möchte. Es spielt in den Jahren um 1945, der Krieg ist vorbei, die Amerikaner übernehmen das Regiment und es herrscht Armut und Hunger an allen Ecken und Enden in Deutschland.

So sind auch Familien gefordert zusammen zu rücken und Tanten, Nichten, Neffen und Geschwister müssen sich den wenigen noch bewohnbaren Wohnraum in München teilen. Mittelpunkt des Romans ist Toni. Sie ist bei ihrer Tante Vev untergekommen und versucht sich mit ihrer Familie so gut es geht durchzuschlagen. Auf dem Schwarzmarkt kann man zu horrenden Preisen kleine Köstlichkeiten, wie Kaffee und Gänseschmalz ertauschen und schafft sich so winzige Lichtblicke in einer harten Zeit. Das Familiensilber wird dort gut und gerne genommen. Die Holländerin Griet wird alsbald in der Wohnung von Toni und ihrer Familie zwangsuntergebracht und nach anfänglichen Schwierigkeiten freunden die beiden jungen Frauen sich an.

Gewürzt mit einer großen Portion Liebe ist Glückskinder ein sehr lesenswerter Roman, konfrontiert er den Leser doch mit der harten Realität, der unsere Vorfahren in der Nachkriegszeit ausgesetzt waren, was wie ich finde, gerade in der heutigen Zeit ein wichtiges Thema ist. Im hinteren Teil des Buches findet man Originalrezepte aus dem Buch „Gute Kost in magerer Zeit“, das 1946 im Beckstein-Verlag erschienen ist. Erschreckend, auf wie wenige Lebensmittel man seinerzeit einen Anspruch hatte. Die wunderschöne Gestaltung rundet das schöne Leseerlebnis ab.

Fazit: „Glückskinder“ bewegt; Teresa Simon findet aber den richtigen Ton, so dass es trotz des ernsten Hintergrundes ein schön zu lesender Roman ist.

Teresa Simon: Glückskinder, Roman, Heyne-Verlag, ISBN 978-3-453-42406-7, 10,99 Euro

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